Das Land steht nicht hinter dem Eishockey

INTERVIEW. Vorarlbergs Eishockey-Präsident Simon Schwark nimmt im Sport-Talk mit der NEUE Zeitung kein Blatt vor den Mund, prangert fehlende Unterstützung vom Land an.

Welche Auswirkungen hat die Schließung der Arena Höchsterstraße auf den heimischen Eishockeysport?
Simon Schwark: Wir hatten vorher schon viel zu wenig Eisflächen, jetzt ist die Situation dramatisch. Mit dem Wegfall der Arena Höchstertraße in Dornbirn haben 17 Vereine ihre Heimat verloren, die mussten wir auf Eisflächen in der Nachbarschaft sowie im Messestadion unterbringen. Oder besser gesagt: reinquetschen. Es gibt VEHL1-Vereine (höchste Landesliga; Anm.), die im Messestadion zwischen 22 und 24 Uhr trainieren.

Die Arena in der Höchsterstraße musste aufgrund massiver Mängel geschlossen werden. Nun ist die Anlage 50 Jahre alt, diese Substanzprobleme können doch niemanden überrascht haben?
Schwark: Eigentlich nicht und das sage ich als jemand, der als ÖVP-Politiker durchaus die Abläufe kennt. Dass Dornbirn jetzt zwei Jahre lang keinen Eislaufplatz hat, ist vor allem das Verschulden von Dornbirns ehemaliger Sport-Stadträtin Marie-Louise Hinterauer, sie hat die Thematik verschlafen. Und so leid es mir tut, auch Bürgermeisterin Andrea Kaufmann hat die Situation unterschätzt. Positiv ist, dass die Bürgermeisterin jetzt zusammen mit dem neuen Sportstadtrat Julian Fässler bei der Planung des Neubaus der Eisfläche alles richtig macht. Das möchte ich bei aller Kritik nicht unterschlagen. Die Stadt Dornbirn kommt uns als Eishockeyverband dabei sehr entgegen, wir sind bei der Planung involviert. Da können wir uns verwirklichen, das macht uns Spaß, da fühlen wir uns ernst genommen.

Warum gibt es zu wenig Eisflächen in Vorarlberg?
Schwark: Das Land Vorarlberg steht nicht hinter dem Eishockey. Da kommt null Unterstützung. Während den quälend langen Diskussionen um den Bau der Wälderhalle hieß es seitens vom Land, es gäbe doch genügend Eisflächen in Vorarlberg. Für was es da noch eine Wälderhalle brauche. Da frage ich mich schon, woher die Entscheidungsträger ihre Informationen beziehen. Es gibt in Vorarlberg 4000 gelistete Eishockeyspieler, die in 32 gelisteten Vereinen aktiv sind – das heißt, in den Meisterschaftsbetrieb integriert sind. Darüber hinaus gibt es weitere 40 Hobbyvereine, bei denen weitere Tausend Eishockey spielen. Eisflächen gibt es in Vorarlberg aktuell sieben.

Der Vorarlberger Eishockeyverband wird vom Land mit nur 5000 Euro gefördert. Wie ist das erklärbar?
Schwark: Angesichts dessen, dass Vorarlberg ein Dutzend A-Nationalteamspieler stellt und viele U20-, U18- und U16-Auswahlspieler, ist es für mich auch mit viel Fantasie nicht erklärbar. Und ich prophezeie, dass Vorarlberg in zehn Jahren keinen Eishockeynationalspieler mehr stellt, wenn sich nicht sehr rasch sehr viel ändert im Land. Die Bulldogs werden laufend dafür verurteilt, dass sie mit 14 Ausländern spielen. Ja glauben Sie, die Dornbirner würden nicht viel lieber mit Einheimischen auflaufen? Die Wahrheit ist, dass wir viele Talente schon im Jugendalter an Schweizer Vereine verlieren. Weil wir dem Nachwuchs keine professionelle Eishockey-Ausbildung bieten können. Warum können wir das nicht? Weil wir kein Geld bekommen. Das ist ein Teufelskreislauf.

Haben Sie das den Entscheidungsträgern im Land schon mal mit so viel Energie wie gerade eben vorgetragen?
Schwark: Ein Mal? Wir haben unser Konzept schon mehrfach präsentiert, aber wir bekamen immer eine Absage. Unserem Konzept würde der rote Faden fehlen. Dabei zeigen die Erfolge des Vorarlberger Eishockeysports sehr klar auf, dass unser Weg stimmt. Fünf Vorarlberger spielen in der höchsten Liga in der Schweiz, Manuel Ganahl spielt in Finnland, mit Marco Rossi steht ein Vorarlberger auf dem Sprung in die NHL. Die Bulldogs spielen in der EBEL, wir haben drei Mannschaften in der zweiten Liga. Was braucht es denn noch an Beweisen, dass unser Weg richtig ist? In den Fußball werden Millionen investiert, das soll so sein, alles in Ordnung. Mich stört nur dieses Ungleichgewicht.

Das heißt?
Schwark: Auf der einen Seite fördert das Land den Tribünenbau in Altach mit vier Millionen Euro, auf der anderen Seite bekommen wir als Verband jährlich 5000 Euro. Wie viele Vorarlberger A-Nationalspieler haben wir aktuell im Fußball? Null.

Ist ein Grundübel, dass Eishockey in der heimischen Sportstrategie nicht zu den Hauptsportarten zählt, damit keinen Zugang zum Olympiazentrum hat?
Schwark: Die Sportstrategie lässt uns keinen Raum. Vonseiten des Lands heißt es, Eishockey falle als Gruppensportart nicht unter die besonderen Förderkriterien. Schön und gut, dann sind diese Kriterien falsch. Und sowieso: Für den Altacher Tribünenbau haben sie ja trotzdem einen Fördertopf gefunden. Obwohl Fußball eine Gruppensportart ist. In der Schweiz haben sie verstanden, da stellt der Staat dem Eishockeyverband allein für die Nachwuchsförderung 92 Millionen Franken zur Verfügung. Es braucht sich keiner zu wundern, dass nahezu alle Vorarlberger Talente auf Nimmerwiedersehen in die Schweiz wechseln. Dort sind die Bedingungen so viel besser, dort ist das Ansehen so viel höher. Uns fehlt es an den elementarsten Dingen. Mit den 5000 Euro können wir uns noch nicht mal die kompletten Trikotsätze für unsere Nachwuchsteams leisten.

Wie sieht es mit der Teilnahme an internationalen Turnieren aus?
Schwark: Das ist völlig illusorisch, das würde unsere Möglichkeiten sprengen. Wir brauchen selbst für den Druck von Visitenkarten einen Sponsorendeal. Nein, wir können unseren Nachwuchs nicht zu Turnieren oder auf Trainingscamps schicken, was so wichtig für die Entwicklung wäre. Einzig zum Arge-Alp-Turnier nach Südtirol dürfen wir – was politische Hintergründe hat.

Ich frage nochmal: Wie ist das alles erklärbar?
Schwark: In der Entscheidungsgruppe im Land sitzt mit Roland Frühstück ein Handball-Funktionär und mit Michael Zangerl jemand, der noch nie ein Sportfunktionärsamt ausgeübt hat. Diese beiden geben Eishockey keine Chance. Sie geben uns noch nicht mal die Chance, uns zu profilieren. Wir wünschen uns ja keine utopischen Summen, nicht das jemand glaubt, wir fordern Millionen. Natürlich sind wir auch bereit, uns an den Erfolgen messen zu lassen. Doch seitens vom Land fehlt jeder Wille. Da nützt es auch nichts, dass Landesrätin Barbara Schöbi-Fink begeistert war bei einem Besuch eines Eishockeyspiels. Denn von Herrn Frühstück und vor allem Herrn Zangerl hört sie in Bezug auf Eishockey immer nur, was nicht geht.

Aber irgendetwas muss doch geschehen?
Schwark: Zum Glück konnten wir die Namensrechte an den Landesligen verkaufen. Dadurch haben wir wenigstens etwas Spielraum, um erste Schritte beim Aufbau einer Eishockey-Akademie mit Büroräumlichkeiten zu setzen. Wir brauchen ein Leistungszentrum, wir brauchen einen Landestrainer – und wir brauchen endlich auch mal etwas Anerkennung. Zum Glück treffen wir nicht überall auf verschlossene Türen.

Was heißt das konkret?
Schwark: Wir haben einen sehr guten Kontakt zu den Mitarbeitern im Olympiazentrum in Dornbirn und können dadurch dort Aus- und Weiterbildungen abhalten. Ein ganz hervorragendes Projekt ist zudem in Bludenz in Planung. Dort sind dank dem Einsatz von Bürgermeister Mandi Katzenmayer 200.000 Euro für den Bau einer 30 mal 60 Meter großen Eisfläche budgetiert, die neben der neuen Rodelbahn entstehen soll. Es ginge also, wenn man will. Nur leider will fast keiner.

Interview: Hannes Mayer